Geburtstage
Die meisten Auftragstexte habe ich anlässlich Geburtstagen geschrieben.
Ich habe mir relevante Fachbegriffe angeeignet, mit klassischen Reimschemata gebrochen, Erzählungen eingebaut, ab und an Witz hineingebracht und am allerwichtigsten,
versucht den Charakter der Geburtstagskinder einzufangen & für ihre Liebsten festzuhalten
Für...
Maximilian Koch: Ein Leben wie ein Palstekknoten
Dein Leben soll sein wie ein Palstek Knoten, ein echter Allrounder mit allm geboten, Sturm und Hochpeitschenden Wellen die dann wieder zum ruhgen Gewässer abquellen von dem man nie erdenken konnte, welch Ausmaße es gar annehmen kann. Ein echter Allrounder mit anfänglichem Abenteuergeist und dem Dürsten nach Neuem, Gefahr und allm was als Herausforderung sich in jung Jahren erweist. Ein echter Allrounder der einen nach den wilden Wassern wieder dann ans Festland zwingt und einem das Glück des Lebens bringt im Sesshaft dann sein, um sich schon weiter dem Drang nach unendlichen Weiten zu widmen, wenngleich bezwingt man sie nimmer allein.
Mast und Schotbruch wünsch ich dir, dem waschechten Segler, mit alln Wassern gewaschen und ein Schwert dassd selbst kannst zu Wasser lassen um stets am rechten Weg zu bleiben und Abdriften durch Distraktion und Strömung und Störungen zu vermeiden. Gleichsam wünsch ich dir aber ein Kiel, das Rückgrad dir ist und Beständigkeit bringt, ward beids auf einem Schiff auch wahrlich viel.
Ich wünsch dir, dass wenn du am Heck des Lebens stehst, eigens zum Bug nach vorne gehst und dich zur Galionsfigur erwählst, da du gleichsam dem Galion über dich hinauswächst und im Schluss herausragend bist als noch bessre Version deiner Person, deiner Selbst. Und wenn der Weg sich als unklar erweist, dass du um Hilfe zu bitten weißt, ermutigt gleich zum Kompass greifst und dich schlussendlich, ob Backbord oder Steuerbord, richtig einreihst. Und hast den Weg auch falsch erwägt, wünsch ich dir klare Sicht im Nebel fast greifbar, so dicht, auf dassd keine Odyssee erlebst und die Reise mit deinen Lieben alsbald überstehst.
Ich wünsche dir Kraft für Wenden im Leben um deine Ziele alsbald zu erreichen. Dassd trotzen magst Wind und Zweifel und Sorgen und Neidern die dir zu Zeiten leider begegnen und entgegen peitschen, dass du dich allm zu stelln vermagst. Zeitgleich aber wünsch ich dir noch, dassd merkest wenns brenzlig wird, die See Gefahren und Stürme birgt. Worauf du von Großsegel auf Sturmfock umsteigen wagst.
Und taucht ein echter Gegner mal aus den unendlichen Weiten, der dich vom Krängen dann gar zum Kentern bringen will und erst still steht wenn dein Schiff samt Mann und Mannschaft untergeht, trau dich ausreiten und bewahr deine Nähsten vor Schaden, deine Mannschaft vorm Scheitern, bestreit unbezwingbar dein Seglerleben weiter.
Zuletzt noch wünsch ich dir, möcht ich gern sagen, dass wenn die Wellen nicht meterhoch wagen, wenn Unwetter vorübergezogen, wenn keine wilden Winde toben, dass du gewillt bist Leinen lockrer zu lassen um all das Schöne aufzufassen, das der stille Moment am Meer mehr noch zu bieten hat. Und du in all den Aufgaben, die waschechten Seglern so aufgetragen, nicht vergisst inne zu halten – dein Leben mit deinen Lieben voll Ruhe und Frieden zu gestalten.
Noah:
Der Neugier Licht hinter blauen Augen
Vermagst du nicht zu dimmen
Und hinter den Locken so viele Gedanken
Rund um dich herum gebaute Schranken und Stimmen
Beschränken dein Denken nicht
Lenken dein Handeln nicht
Denn in dir so viel Streben steckt
Danach zu leben
Nach Liebe hast dein Sein gereckt
Trotz all der Niederschläge
Ein steinern Lächeln dir erbaut zwar
Und dich dennoch getraut
Es ab und an vor mir zu zerschlagen
Haben Lasten gemeinsam getragen
Lässt das Leben ertragbarer scheinen
Ließt mich an deiner Schulter weinen
Trotz Tiefs die deine Zeit zu Erden durchzogen
Hast trotzig dein Haupt gen Himmel gehoben
Mit mir Musik geteilt
Mit jedem Lied ein Stückchen sterbende Seele geheilt
Und jedes Mal wenn wir nach dem Nachhausegehen
wieder vorm Regauer stehen
Die Uhr schon Zeit für Abschied misst
Tröstet mich ein Wiedersehen
Zu wissen, dass es ein Abschied auf Zeit lei ist.
Opa: Opageschichten
Es war einmal ein Räuber, der trug den Namen Hotzenplotz, sprachst du einst zu mir.
Des Hotzenplotzes größter Feind war ein recht gerissnes Tier. Mit rotem Felle und listig hat Fuchs dem Räuber getrotzt.
Vereitelt alls an schandhaftem Tun, selbst zu Haus ließ der ihn nicht ruhn. Denn einst, da wollte Hotzenplotz Kaspers Oma beklaun, doch Fuchs bemerkte dies. Bracht den Polizisten her, der warf den Dieb ins Verlies. Kasper und Seppel und Großmama feierten fröhlich ein Fest, der Fuchs ward mit einer Keule belohnt und einem kuschlig warmen Nest. Mit großen Augen und wachem Geist lauschte ich deinen Geschichten, freudig wartend auf was du erzählst und wie sie wieder über Hotzenplotz richten.
„Noch eine!“ hör ich mich sagen, mit hoffnungsvollem Blick. Schlaf jetzt Kind, gabst du zurück doch hast dich gleich ergeben. Was sollen Hotzenplotz und Fuchs denn heute noch erleben? Die Hühner quiekte ich erfreut. Als der Fuchs sie gestohlen, als Hotzenplotz sie abgeluchst und unverhohlen braten wollt, der Fuchs ihm zu der Höhle gefolgt und die Hühner gerettet, sie zur Oma gebracht.
Kurz hast du laut aufgelacht. Mir meinen Kakao gegeben und fingst an zu reden. Es war einmal ein Räuber, der trug den Namen Hotzenplotz. Ich spitzte die Ohren gebannt. Mit jeder Hotzenplotz‘ Taten gähnte ich wenig länger, wurden meine Lider schwerer und mein Kopf ein bisschen leerer. Mit jeder deiner Geschichten verschwanden kindlich Gedanken, die mir den Geist verklärt und mir das Einschlafen erschwert. Dein Reden mir Zutritt zur Traumwelt gewährt.
Danke Opa für jeden Abend an dem du mir Kakao gemacht, den wir mit deinen Geschichten verbracht, den wir über Fuchs und Räuber gelacht, den du an meiner Seite gewacht.
Opa: Erinnerungen/Wortzauberei
Seit langer Zeit hat mich das Schreiben
Schon in seinen Bann gezogen
Seit klein will Wörter einverleiben
Spannen den Geschichtenbogen
Mein Opa hats mir beigebracht
So fantasierten wir bei Nacht
Über Knappen Hexen Drachen
Die über Burgen Schlösser wachen
In dieser Festung nur aus Worten
Konnt ich als Kind mein Glück verorten
Dort thronten Froh und Sicherheit
In tausend Orten jederzeit
Weit und breit die Ruhe war
In dieser Blumenblütenschar
Die Stille am Fiktiven See
Wabert um Seeros und Klee
Abenteuer gabs zu Hauf
Die Aufregung nahm gern in Kauf
Doch mit der Kinheit zog der Zauber
Die Fantasie ward stummer tauber
Und mein Kopf in dem einst Welten
So voll ich kanns ihm nicht vergelten
Die Jugend sie zog auch ins Land
So nahm die Kunst mich an die Hand
Und reichte mir die Malerei
Fand mich wieder bunt und frei
Und bin ich heute drauf erpicht
Dass im dunklen Alltag Licht
So greif ich stets Papier und Stift
Und schreibe in derselben Schrift
Die Opa damals mir gelehrt
Wenn Worte in mir aufbegehrt
Und male mir die Welt
Wie sie mir gefällt.
Peter: Der Hof ruft
Zwischen Hühnern und Schafen
Findet man im gülden Stroh
Den Peter seelig schlafen
Sorgenfrei und froh
Elisabeth sie rufet ihn
Elisabeth sie schimpfet
„Wo ist der Peter wieder hin“
Sie lautstark verunglimpfet
Den Göttergatten mit unschönen Worten
Unwissend, dass der Gute im Heuschober zu verorten.
Die brave Frau sie hat ihm heute
Den Festtisch vorbereitet
Lud ein des Peters liebste Leute
Die Nachricht sie verbreitet
Der Peter hat an Runden
Im Kreise will sie feiern
Rundum wollt sies bekunden,
Geburtagslieder leiern,
doch Peter der ist nicht zu finden
der schnarchet noch und ruht
wo konnt er hin verschwinden
fragt Lisi sich voll Wut
Nun trommelt sie zusammen,
die Hühner und die Schweine
das Essen wart dochTöpfen und Pfannen
so sucht sie nicht mehr alleine
gemeinsam wird geschnuppert, gerufen
wird geschnüffelt und gepickt
hörbar das Scharren und Klackern von Krallen und Hufen
jedes Mitglied der Familie hat Lisi losgeschickt.
Ein braves Kätzchen, grad erwacht
Der Geräuschkulisse wegen
Der letzten Sonne angelacht
Wollt sich wieder legen
Da höret es „wo kann er sein“
„das kann es doch nicht geben“
Das Kätzchen sieht zu Peter rüber, der liegt dort noch allein
Es versteht und eilt hinunter
„Der Peter ist hier, kommet doch schnell“
Nun ward auch der Peter munter
Vom tierischen Gegell.
Er strecket den Kopf verschlafen raus
Und riechet den Geburtstagsschmaus
Und höret Lisi kommen
Eben noch benommen, eher nun beklommen
Eher nun zittrig, was mag ihn erwarten
Ängstlich verlässt er sein Nest
Zu still, zu leer der Garten
Doch draußen wartet schon die Meute,
hat sich im Gebüsch verstecket
Lisi, die Tiere, der Rest der Leute
Auf drei gemeinsam den Peter erschrecket
Der macht einen Satz zurück
Und ein Mü zu hoch
Der Kopf schmerzt doch zu Peters Glück
Ist im Holz kein Loch.
Nun können sie zusammen feten
Den Schreck bereits vergessen
Und Peters Runden celebraten
Singen, trinken, essen.